Glücksschmied?

Vor ein paar Tagen kam es beim Friseur zum Gespräch über einen Auszubildenden, der nach zwei Jahren seine Lehre abgebrochen hat.

Da viel mir dann ein paar Minuten später der Spruch ein:
„Jeder ist seines Glückes Schmied“

Noch im selben Augenblick habe ich mich dann aber gefragt:

Wer bringt mir das Schmieden bei?
Wer hat diesem jungen Mann das „Schmieden“ beigebracht?

Wenn es meine Eltern, meine Familie und vielleicht noch meine LehrerInnen sind, die mir das „Glücks-Schmieden“ beigebracht haben – hmm – dann haben das alle ziemlich unbewusst getan. Und selbst waren sie alle nicht ganz so erfolgreich mit der eigenen „Schmiederei“.

Ich kann mein „Glück schmieden“. Ich kann einfluss auf meine innere Zufriedenheit nehmen – wenn ich weiß wie es geht, wenn mir es jemand erfolgreich vorlebt und mir eine Chance gibt, es selbst für mich heraus zu finden.

In diesem Sinne lerne ich das Schmieden gerade neu und bin dabei, alte Methoden zu verlernen, zu verlassen und überhaupt zu lernen, dass ich mich an der Lebensschmiede beteiligen kann.

Kein Schlamm – keine Lotusblüte

Kein Schlamm – keine Lotusblüte
No mud – no lotus
(das ist nicht von mir)

Ich achte den Schlamm – Lotusblüte
Ich verachte den Schlamm – Schlamm

Ich respektiere Dich, so wie Du bist – Lotusblüte
Ich will Dich verändern – Schlamm

Ich habe Verständnis – Lotusblüte
Ich habe Mitleid – Schlamm

Schlamm=Lotusblüte?

goldenes haus

hallo du, hallo sie, endlich hier?
ein paar dichte worte anstatt wein oder bier?

wir müssen raus
aus dem goldenen haus

es schien so wohlig, so bequem
und ist nun so eng, so extrem

gefangen in den mütterlichen fängen
ohne ausweg aus den väterlichen zwängen

versorgt, umsorgt, angst und schrecklich
irgendwie für mich langfristig tödlich

die mütterliche enge
die väterliche strenge

nein, nein, nein
nicht alles ist schlecht

aber wo bin ich
wo bin ich echt

in der enge war ich so versorgt
in der weite bin ich so besorgt

weil ich nicht weiß
mich selbst zu sein
so allein

war im goldenen käfig
so mütterlich klein

jetzt bricht er weg der schutz
jetzt bröckelt der putz

doch was dann erscheint
ist das Kind, das schrecklich weint

die vielen wunden
waren golden umwunden

nun liegt alles blank
unaufhaltsamen wachstum sei dank

die alten strukturen nähren nicht mehr
das neue beängstigt so sehr

weil ich nicht weiß
mich selbst zu sein
so allein

im käfig – gelähmt
in freiheit – gelähmt

nun geht die reise los
aufs neue – noch ist es bodenlos

ich such den grund unter den füßen
versuch mich echt zu begrüßen

mich nicht mehr zu schämen
nicht mehr mein leben verbrämen

versuch mich anzuerkennen
versuch mich und meine lage ehrlich zu benennen

damit durchbreche ich den käfig
bin damit anders als meine eltern tätig

sie konnten nicht sehen was ich sehen kann
sie waren noch gefangen im güldenen bann

nun bin ich es und scheine frei
erlebe schmerz und viel geschrei

das ist doch wie immer, so wie es war
aber es ist anders, irgendwie wunderbar

es ist ein neuer schritt nach draußen
mein innerstes wächst nach außen

was draus wird
ob könig oder hirt?

weil ich nicht weiß
mich selbst zu sein
so allein

ich!

© Helmut Frahs, 2013

Wort – Ort

Worte,
das sind wundersame Orte

Was drauf steht ist scheinbar klar
ein Tisch ist doch ein Tisch
ein Haus ein Haus
Was drin steckt, – im Wort –
oft seltsam und gar sonderbar

Da strahlt etwas heraus
aus diesem einen Wort
Aus jedem Wort
Was ist das für ein verrückter Ort?

Was strahlt da durch,
durch die Buchstaben durch?

Da ist doch scheinbar nichts,
außer schwarz und weiß

Da ist doch nichts
und doch viel mehr
als das pure Wort

Das Wort ist ein Raum
erfüllt
mit Bildern
erfüllt mit Gefühlen
erfüllt
mit irgendwelchen Dingen
die in Dir
dem Empfänger
etwas zum klingen bringen.

Mein Wort ist mein Raum
erfüllt mit meinen Bildern
erfüllt mit meinen Gefühlen
erfüllt mit meinem Klang

Was hörst Du nun?
Meine Worte?
Was siehst Du nun?
Deine Bilder?
Was fühlst Du nun?
Deine Gefühle?

Worte – für mich gar sonderbare Orte
Orte an denen ich meinte zu sein
Und doch bist da DU.

© HelmutFrahs, 2013

sie sind doch da, oder?

bitte schreibe noch tausendfach von dir
denn ich weiß nicht, wann ich davon satt werde

was für kraftvolle worte
du bist dort und doch hier
transportiert durch dein wort
du bist hier – in mir
lebendig und doch fort

schenkst meiner wüste deinen regen
bist für die wüste der tod
für mich ein segen

ich weiss nichts und das ist alles.
alles was ich weiss
ich weiß nicht wer ich bin
ich suche mich
suche mich
suche mich
und finde dich
halt nein,
das bin ja ich

doch wo bist du?
ich suche dich
finde dich
und suche weiter

ich habe gewartet
ich habe gesucht
ich habe gefunden

genau, bla bla bla
und doch sind wir da
wir, du und ich
und all die anderen

sie sind doch da, oder?

ich habe angst, in meiner fülle zu ertrinken

© HelmutFrahs, 2013